Als Moderatorin wirkt Annemarie Carpendale immer selbstbewusst und cool. Das gaben ihr ihre Eltern mit auf den Weg. Im Interview spricht sie über ihre Jugend, Selbstbewusstsein und auch die Erziehung ihres Sohnes.

Seit Jahren ist Annemarie Carpendale als Moderatorin nicht mehr aus der deutschen TV-Landschaft wegzudenken. Schon zu Viva-Zeiten gehörte sie zu den bekanntesten Gesichtern des Senders. Ihre größten Markenzeichen, ihre Natürlichkeit und ihre Coolness, hat sie sich bis heute bewahrt.

Den Grundstein dafür legten bereits ihre Eltern, wie die 43-Jährige im Interview mit t-online verrät. Doch zum perfekten Auftritt gehört bei der Markenbotschafterin von Dr. Smile auch immer ein strahlendes Lächeln.

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t-online: Wie wichtig ist Ihnen ein schönes Lächeln im Alltag?

Annemarie Carpendale: Für mich ist es das „gewisse Etwas“, das zählt – auch und gerade in solchen Situationen wie jetzt. Es hilft einem ja nichts, wenn man grantig durch die Stadt läuft. Man muss sich immer bewusst machen, dass es uns in Deutschland noch immer besser geht als vielen anderen. Wir können gerade lernen, uns über Kleinigkeiten zu freuen. Ein Lächeln hilft durch viele kleine Alltagssituationen.

Fehlt das aktuell? Unter einer Maske sieht man das Lächeln ja nicht.

Absolut! Ich glaube aber, dass wir alle mittlerweile gelernt haben, mehr mit den Augen zu lächeln. Wenn man so kleine Augenfältchen beim Gegenüber sieht und checkt, dass unter der Maske gelächelt wird, dann ist das doch schön. Am traurigsten ist das aber für die Kids, weil denen kann man das gar nicht so richtig erklären, was gerade in der Welt los ist. Unser Kleiner wächst damit jetzt auf, er kennt das gar nicht anders. Aber wenigstens macht es ihm deswegen auch nicht so wirklich was aus. Der Zoo ist halt mal wochenlang zu und dann wieder auf, darüber freut er sich dann, ohne dass er weiß, dass der zu normalen Zeiten ja eigentlich immer geöffnet hat. Schulkinder tun mir leid. Da möchte ich mit keinem meiner Freunde und Bekannten tauschen. Aber da ist ja jetzt hoffentlich ganz bald Besserung in Sicht.

Sie haben gerade in einem Testimonial viel über Selbstbewusstsein gesprochen. Hatten Sie als Teenie Glück mit den Zähnen oder musste da eine Zahnspange nachhelfen?

Ich musste nicht, ich durfte! (lacht)

Ich war mir da mit zwölf Jahren nie so sicher, ob ich die Zahnspange tragen darf oder muss.

Ich fand das damals mega! Bei uns war man sogar besonders cool, wenn man einen Außenbogen hatte – zumindest aus meiner Sicht (lacht).

Das sind diese Zahnspangen, die irgendwie außen um den Mund waren, oder?

Genau. Und das war der „Hot Stuff“ bei uns auf dem Schulhof! Mein Zahnarzt hat mich damals nicht von sich aus zum Kieferorthopäden geschickt, sondern ich habe nachgefragt. Auch den Kieferorthopäden musste ich fast noch überzeugen: „Wir müssen nicht, aber wir können“. Und ich wollte! (lacht) Und dann habe ich drei Jahre lang einen Außenbogen und sogenannte Brackets getragen.

War das dann auch nach drei Jahren noch der „Hot Stuff“?

Naja, am Anfang ja. Gegen Ende dann doch ein bisschen nervig (lacht).Abgesehen davon habe ich aber auch sonst gut auf meine Zähne aufgepasst: Meine Eltern haben mir früh erklärt, als meine Milchzähne ausfielen und die anderen nachkamen, dass ich jetzt nur noch diese Zähne für den Rest meines Lebens habe und mich um sie kümmern muss. Dieser Satz hatte sich bei mir eingebrannt und deswegen bin ich sogar bei Übernachtungspartys mit Süßigkeiten im Bett noch nachts rausgekrabbelt, um mir noch heimlich die Zähne zu putzen.

Das klingt pädagogisch sehr wertvoll. Geben Sie das so auch an Ihren Sohn weiter? 

Sagen wir mal so: Bei uns gibt’s da keine Diskussion, das wird einfach nie in Frage gestellt. Ich bin ja bei so vielen Dingen total locker, Schlafenszeiten, Essenszeiten oder so. Aber es gibt ein paar Sachen, die einfach sein müssen. Da gibt es bei uns gar nicht die Option, darüber zu diskutieren. Mama und Dada machen das und somit macht er das auch. Punkt. Da bin ich auch relativ konsequent. Als Eltern muss man da von Anfang an überzeugt rüberkommen. Im Bekanntenkreis bekommt man mal mit, dass da erstmal ewig Zahn-Bücher gelesen, Filme geschaut oder komplizierte Belohnungs-Systeme erfunden werden – sowas gab es bei uns nie.

Sie und Ihr Mann Wayne Carpendale haben Jobs, wo man nicht immer im Homeoffice arbeiten kann. Wie halten Sie da die Balance zwischen Familie und Beruf?

Für die Live-Sendungen im TV-Studio müssen wir natürlich tatsächlich das Haus verlassen. Bei mir ist trotz Pandemie auch gar nicht so viel ausgefallen, Fernsehen wurde ja trotzdem und sogar mehr geguckt. Unsere Moderationen schreiben wir seit Corona im Homeoffice. Und klar, gerade in Zeiten, in denen auch die Kita komplett geschlossen war, muss man sich dann schon Zuhause arrangieren. Da kann halt dann nur einer von uns Außerhaus arbeiten. Aber das versuchen wir eigentlich auch ohne Corona schon. Bei uns ist das viel Abstimmungsarbeit, funktioniert aber am Ende immer irgendwie.

Sie haben mal gesagt, dass Ihre Eltern Ihnen früh mitgaben, dass man sich das Selbstvertrauen selbst erarbeiten muss. Wie geben Sie Ihrem Kind das mit auf seinen Weg?

Positive Ausstrahlung ist das Wichtigste. Wenn er etwas besonders gut macht, flippen die Eltern natürlich aus (lacht). Ich meine damit aber nicht, dass man alles, aber auch alles, loben sollte. Auch, wenn es manchmal schwerfällt, weil man bei seinem eigenen Kind ja plötzliches alles toll findet, sollte man nicht applaudieren, wenn er sich eine Socke selber anzieht.

Sie sagen auch, dass Aussehen eine Rolle spielt. Ich lehne mich mal aus dem Fenster und sage, Sie sind 43 und wirken ziemlich natürlich. Wie zufrieden sind Sie mit sich selbst?

Man sollte sich nicht ständig mit irgendwelchen Models auf Instagram vergleichen. Da geht es einem ja immer gleich schlecht (lacht). Stattdessen sollte man immer versuchen happy zu sein mit dem, was man hat. Und mit dem, was ich habe, bin ich zufrieden. Natürlich sah ich vor zehn Jahren anders aus, wenn ich mal eine Nacht durchgemacht habe. Das sieht man mir heute deutlich mehr an. Und natürlich gibt es immer Dinge, bei denen man sich denkt, dass es anders schöner wäre.

Was wäre das bei Ihnen?

Ich wäre gerne etwas größer und nicht nur meine 1,66 Meter. Aber dafür habe ich bei anderen Sachen Glück gehabt. Ich kann zum Beispiel so viel Pasta essen, wie ich will, und werde nicht breiter. (lacht) Da hat aber jeder etwas anderes, was ihn ausmacht. Ich versuche mich eher an Sachen zu erfreuen, die gut laufen, als mich von denen runterziehen zu lassen, die mir nicht immer so gefallen. Aber ja, ich werde bald 44, ich habe ein Kind und auch ein intensives Leben und Arbeitsleben, das merke ich an mir selbst auch.

Haben Sie da ein anderes Mindset als vielleicht vor fünf oder zehn Jahren, was Ihre Zufriedenheit angeht?

Zufrieden war ich eigentlich immer. Wayne sagt, ich sei wie Pipi Langstrumpf und mache mir die Welt wie sie mir gefällt. (lacht) Das ist natürlich nicht immer der Weg und damit eckt man auch mal an. Für mich funktioniert das aber ganz gut. Man braucht ein gesundes Selbstbewusstsein und man sollte auch nicht immer darauf gucken, was die anderen haben. Ich merke, dass einem solche negative Energie auch gar nicht gut tut. Es ist doch schöner, wenn man sich für andere freuen kann.

Sie haben vorhin gesagt, dass Sie sich ungerne mit Instagram-Models vergleichen. Glauben Sie, dass aber gerade junge Menschen durch Social Media einem gewissen Beauty-Druck zum Opfer fallen?

Leider ja! Ich glaube, dass Generationen, die ohne Instagram und Co. aufgewachsen sind, ihr Selbstbewusstsein auf dem Schulhof oder in der Clique bekommen haben. Man hat vielleicht mal in die „Bravo“ geschaut und da andere Menschen gesehen, das war’s. Ich denke aber, dass es jetzt sauschwierig für junge Menschen ist, „normal“ aufzuwachsen. Man sieht auf Instagram ständig Leute, die können höher, schneller, weiter als man selbst. Es geht dabei ja nicht nur ums Aussehen, sondern auch darum, was andere können. Das kann einen natürlich inspirieren, aber auch runterziehen. Ich habe Respekt vor der Jugend, die unter anderem mit diesem Beauty-Druck aufwächst. Beauty-OPs bei jungen Mädels zerreißen mir das Herz, wenn sie am Ende alle gleich aussehen mit ihren Schlauchbootlippen und aufgepolsterten Wangenknochen.



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