Halle/Leipzig (dpa) – Ein Toter vor der Haustür, die dunkle Nacht, ein paar Handydaten: Es ist nicht viel, was die neuen Kommissare Henry Koitzsch (Peter Kurth) und Michael Lehmann (Peter Schneider) im „Polizeiruf 110“ aus Halle in der Hand haben.

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Als letztes Mittel greifen sie zur Funkzellenauswertung. Das führt dazu, dass ein buntes Sammelsurium an Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen durch die Tatnacht gegeistert sind, im Verhörzimmer Platz nehmen. Der Krimi „An der Saale hellem Strande“, der zum 50. Jubiläum der „Polizeiruf“-Reihe entstanden ist, blättert ihre kleinen Schicksale im Rahmen der großen Mördersuche auf.

Das Buch zum neuen Polizeiruf stammt von Clemens Meyer und Thomas Stuber. Die beiden Leipziger haben zusammen schon einige Kinofilme („Herbert“, „In den Gängen“) gemacht. Der Jubiläums-„Polizeiruf“ trägt auch deutlich ihre Handschrift. „Wir haben uns gefragt: Was können wir denn? Wir können kleine Leute erzählen. Wie kann uns ein Kriminalfall, der nicht zwangsläufig Mord und Totschlag sein muss, an die Figuren, an den Menschenschlag heranbringen und dort ein Licht drauf leuchten?“, erzählt Stuber, der auch Regie geführt hat.

Das Ergebnis ist ein Fernseh-Krimi, der genauso gut ein Kinofilm sein könnte und an die Traditionen des „Polizeirufs“ anzuknüpfen versucht. Stuber und Meyer legen viel Wert darauf, die kleinteilige Polizeiarbeit zu zeigen. Das war auch im DDR-„Polizeiruf“ so, von dem das DDR-Fernsehen weit über 100 Folgen produzierte. Am 27. Juni 1971 wurde „Der Fall Lisa Murnau“ als erste Folge ausgestrahlt. Die sozialistische Konkurrenz zum „Tatort“ überstand den Mauerfall und etablierte sich mit wechselnden Ermittlern fest auf dem Sonntagabend-Sendeplatz. MDR, rbb, NDR und BR steuern Folgen bei.

Die Redaktionsleiterin Fernsehfilm beim MDR, Johanna Kraus, erzählt, dass es die Ausgangsidee war, für die neuen Halle-Fälle eine Reihe mit Peter Kurth als Kommissar zu entwickeln. „Thomas Stuber und Clemens Meyer haben den kreativen Part übernommen. Peter Schneider kam dann dazu und ergänzt das ganz toll. Für mich sind das die vier Musketiere“, sagt Kraus. Inzwischen steht auch fest, dass es nicht bei dem Jubiläumsfilm bleiben wird. Auch die Fortsetzung wird vom Duo Stuber/Meyer kommen.

Laut Schriftsteller Clemens Meyer ließ der MDR dem Autorenteam viel Freiheit bei der Konzeption des neuen Krimis. „Das Thema „Polizeiruf“ beschränkt sich ja darauf, dass man sagt: Es gibt ein Team, und das ermittelt. Das war es ja schon“, sagt der 43-Jährige. Meyer wurde in Halle geboren – und mit dem „Polizeiruf“ groß. Er habe sich beim Schreiben auf die alten Filme bezogen. „Die DDR-Polizeirufe hatten immer tolle Titel, das ist wie eine Poetologie“, schwärmt er. So erklären sich dann auch die Zwischenüberschriften der einzelnen Episoden in „An der Saale hellem Strande“: Es sind Titel alter DDR-„Polizeiruf“-Fälle.

Und noch einen weiteren Verweis in die Vergangenheit haben die Macher des neuen „Polizeirufs“ eingebaut: Andreas Schmidt-Schaller alias „Leutnant Thomas Grawe“ ist zurück. Von 1986 bis 1995 klärte er in der Reihe schon Verbrechen auf. Jetzt brät er in der Nebenrolle als Schwiegervater des Kommissars Michael Lehmann seinen Enkeln Spiegeleier und beantwortet Fragen („Wie habt ihr das denn früher gemacht?“) seines Schwiegersohns. Die Rückkehr von Grawe sei als „Verbeugung vor diesem altgedienten Schauspieler und Film-Leutnant“ gedacht, sagt Meyer.

Leutnant Grawe a.D. soll auch in den nächsten Episoden aus Halle am Rande dabei sein. „Aber darauf liegt nicht der Fokus, denn der Film muss auch in Bayern oder NRW verstanden werden“, sagt Meyer. Auch andere Figuren „Aus an der Saale hellem Strande“ könnten in Zukunft wieder auftauchen, verrät Regisseur Stuber. Mit wie vielen Fällen von Koitzsch und Lehmann der MDR plant, gibt der Sender allerdings noch nicht preis. „Die Zukunft ist wie immer offen“, sagt die Fernsehfilmchefin.



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