Köln (dpa) – Die Stimme ist völlig unverändert. Zwar sagt sie zur Begrüßung nicht „’n Abend allerseits“, aber auch ohne die altbekannte Formel ist sie sofort erkennbar. Heribert Faßbender war mehr als 40 Jahre einer der meistbeschäftigten Sportreporter, erst im Radio und dann im Fernsehen. Am Sonntag (30. Mai) wird er 80 Jahre alt.

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Faßbender, geboren 1941 in Ratingen bei Düsseldorf, studierte zunächst ganz seriös Jura in Köln und München und bestand das erste juristische Staatsexamen beim Oberlandesgericht Düsseldorf. Zum Sportjournalismus kam er 1962 wie folgt: Bei einer Wehrübung als Adjutant eines Generals saß er nach dem Dortmunder Sportpressefest dem damaligen WDR-Starreporter Kurt Brumme gegenüber – in Uniform. Der feixte: „Herr Leutnant, Sie haben doch ’ne große Klappe, haben Sie nicht Lust, bei uns anzufangen?“

Seine erste Reportage Schalke gegen den 1. FC Köln noch in der Oberliga West hat er immer noch im Kopf. „Damals musste man über eine wackelige Leiter auf das Dach der Glückauf-Kampfbahn klettern. Vorne stand ein Mikrofon. Den Spielverlauf weiß ich noch wie heute“, erinnert er sich. „Schalke dominierte, aber Köln schoss durch Hans Schäfer in der 88. Minute das 1:0.“ Die Bundesliga begleitete er vom ersten Spieltag im August 1963 an, anfangs parallel zum Studium.

Bei den Fußballweltmeisterschaften von 1974 und 1978 übertrug er die Endspiele im Radio und bei der WM von 1998 im Fernsehen. Das Finale von ’74 gegen die Niederlande war für ihn das Spiel der Spiele, vor allem auch weil er es damals schaffte, die Abläufe vor Gerd Müllers Siegtor im Radio synchron zu beschreiben. „Kurt Brumme hatte uns immer eingebläut: Ihr könnt erzählen, was ihr wollt, aber wenn der Ball in Strafraumnähe kommt, müsst ihr auf Spielschilderung umschalten. Denn es gibt nichts Peinlicheres, als wenn die Zuschauer „Tor“ schreien, und der Reporter ist noch nicht soweit.“ Das Fernsehen erforderte dann wieder eine ganz andere Disziplin: „Da darf man das Bild nicht totquatschen.“

1982 wurde er als Nachfolger von Ernst Huberty Sportchef des WDR und „Mister Sportschau“. Es waren noch jene goldenen Zeiten, als man samstags zwischen 18.00 und 19.00 Uhr um Himmelswillen nicht anrufen durfte. Bis zu 15 Millionen Zuschauer schalteten jedes Mal ein, die heimlichen in der DDR nicht mitgerechnet. Knapp 400 Mal moderierte Faßbender die „Sportschau“.

Jeder Fußball-Interessierte kannte damals den Mann mit dem dunklen Bart, in Polohemd und Sakko. Die Begrüßungsformel „’n Abend allerseits“ hatte er sich als Leiter des WDR-Landesstudios Düsseldorf einfallen lassen, wo er eine viertelstündige Sendung über Landespolitik moderierte, „Blickpunkt Düsseldorf“. Das rheinische „’n Abend zusammen“ war ihm einen Tick zu salopp, deshalb entschied er sich für „’n Abend allerseits“. „Es kamen sofort erstaunliche Reaktionen. Aus irgendeinem Grund war es etwas, das haften blieb.“

Die Bildschirmpräsenz brachte ihm große Popularität ein – aber auch Spott. „Das musst du in dem Job akzeptieren“, sagt er dazu. Kritische Briefe und Zeitungsartikel habe es immer mal gegeben, „ich bin aber kein einziges Mal auf der Straße oder im Stadion angepöbelt worden“. Die heutigen Kolleginnen und Kollegen müssten da im Zeitalter der sozialen Netzwerke wohl einiges mehr aushalten.

Aus seinem langen Sportkommentator-Leben kann Faßbender zahllose Anekdoten zum Besten geben, denn damals hatten Spieler und Reporter noch ein viel engeres Verhältnis als heute. Am besten ist vielleicht die Geschichte von BVB-Torjäger Lothar Emmerich (1941-2003), der ihn 1966 einen Tag vor dem Europapokalspiel gegen Atletico Madrid im Trainingszug in den Prado begleitete. Er hatte gesehen, wie Faßbender ins Taxi stieg und gefragt, ob er mitfahren könnte. Zuerst habe er dort noch den „Kicker“ gelesen, doch dann hätten ihn die Gemälde von Francisco de Goya gefangen genommen: „Datt is ja unglaublich, datt is jetz‘ die vierte Halle von dem Goya!“, wunderte er sich. Und dann ganz andächtig: „Watt die Jungens früher malochen mussten!“

Mit dem Live-Kommentar von der Schlussfeier der Olympischen Spiele 2004 in Athen verabschiedete sich Faßbender vom TV-Mikrofon. 2006 leitete er als ARD-Teamchef die Übertragung von der Fußball-WM. Nach seiner Pensionierung engagierte er sich im Gesellschafter-Ausschuss von Bayer Leverkusen und im Kuratorium der Sportstiftung Nordrhein-Westfalen. Mittlerweile hat er das Golf-Spielen entdeckt, daneben pflegt er Kontakte zu alten Studienfreunden, einstigen Fußballgrößen und früheren Olympiasportlern. Noch immer wird er erkannt, auch wenn der Groschen nicht unbedingt sofort fällt. „Den kennen wir irgendwoher“, heißt es dann. Und als nächstes: „’n Abend allerseits!“



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