t-online hat offene Ohren für die wichtigsten Alben der Woche und gibt Ihnen Musiktipps. Diesmal mit dem neuen „Strip“ von Lena, dem Comeback der No Angels und einem Alleingang von ZZ-Top-Chef Billy Gibbons.

Wenn Sie mal wieder richtig Lust auf neue Sounds haben, Ihnen aber die Zeit fehlt, sich durch die Veröffentlichungen der Woche zu hören, stimmt t-online Sie mit der wöchentlichen Rubrik „Schon gehört?“ ein.

Lena Meyer-Landrut – Strip

Um dieses neue Lebenszeichen der ESC-Siegerin Lena gab es viel Wirbel. Erst waren alle Postings bei Instagram fort, dann kündigte sie neue Musik an, dann warf ihr eine andere Künstlerin Ideenklau vor – doch jetzt legt der ehemalige Zögling von Stefan Raab seinen „Strip“ hin. 

Im Song singt Lena, dass sie kein Drama brauche, ihr die Meinung anderer egal sein kann und ihr auch Fake-Komplimente am Allerwertesten vorbeigehen. Klingt so, als würde sie sich auch von dem Rummel um ihre Person und Gerüchte um ihren Beziehungsstatus freischlagen wollen.

Wer bei diesem Titel zeitgemäß-lasziven Pop mit saftigen Beats erwartet hat, der wird enttäuscht. „Strip“ ist eine happy-go-lucky-Nummer mit der man beim ESC drei Punkte bekommen würde. So fröhlich und unbekümmert hat die Sängerin schon lange nicht mehr geklungen. Man fühlt sich direkt an den Indie-Pop der Grand-Prix-Siegernummer „Satellite“ erinnert. Oder an das Debüt von Kate Nash. Oder die alten Sachen von Lilly Allen. Der Vibe ist also definitiv eher UK 2008 als Berlin-Kreuzberg 2021. Aber irgendwie ist das ganz nett beim nahenden Sommer, geht locker flockig ins Ohr und ist mit weniger als drei Minuten ein kurzweiliges Vergnügen.

No Angels – 20

Sie waren die erste deutsche Castingband, brachen vor 20 Jahren alle Rekorde und mussten sich eine Zeit lang eigentlich nur hinter den Spice Girls einreihen, was europäische Girlgroups anging. Die Rede ist natürlich von den „Popstars“-Popstars No Angels. Die gibt es wieder. Nadja, Lucy, Jess und Sandy haben sich zum 20. Geburtstag der Gruppe zusammengetan und legen mit dem schlichtbetitelten „20“ ein ganz besonderes Album vor.

Denn „20“ enthält 20 Songs aus 20 Jahren Bandgeschichte. Heißt alte Hits, die heute als Trashpop-Klassiker durchgehen, wie „Daylight“, „Something About Us“, „When the Angels Sing“ oder „Rivers of Joy“, wurden als sogenannte Celebration Editions neu aufgenommen. Und ja, die Unterschiede sind da. Die Produktion ist moderner, die Songs bleiben im Großen jedoch erhalten. Da kann man also noch immer die Lyrics aus dem Langzeit-Popkultur-Gedächtnis kramen und mitsummen. 

Vier neue Nummern gibt es on top. Allesamt gute Pop-Ware, aber aus dem Schatten der großen Hits kommen „Mad Wild“ oder das etwas ABBA-mäßige „We Keep the Spirit Alive“ nicht heraus. 

Rise Against – Nowhere Generation

Die gibt es ja auch noch! So vor gut 15 Jahren waren Rise Against mehr als auf der Höhe der Zeit. „Siren Song of the Counter Culture“ und insbesondere der Nachfolger „The Sufferer & the Witness“ waren Knalleralben, die zurecht Millionen Kids weltweit begeistern konnten und dem Emo-Fan neben Panic! At the Disco, My Chemical Romance und Fall Out Boy Sozialkritisches mit auf den Weg gaben.

Nach „Endgame“ habe ich die Amerikaner etwas aus den Augen verloren. Das ist jetzt auch schon zehn Jahre her. Umso überraschender, dass man auf „Nowhere Generation“ an alte Glanztaten anknüpfen kann. Melodischer Punk Rock mit ordentlich viel Tritt in den Popo und teilweise recht wuchtigen Momenten. Aufgewärmt schmeckt ja eigentlich nur die Gulaschsuppe, aber die gewohnte Kost klingt auf diesem Rise-Against-Album erstaunlich gut. Ein Hit wie „Prayer of the Refugee“ fehlt, aber anders als bei „Endgame“ nickt man in diesen 42 Minuten Spielzeit nicht ein. 

Atreyu – Baptize

Wer 2007 Rise Against gehört hat, der hat zu der Zeit sicherlich auch Atreyu zumindest gekannt. Die Band war einer der Vor- und Spitzenreiter der Metalcore/Emo-Welle, die so um 2003 herum entstand. Atreyu gehörten immer zu den melodischsten Weggefährten der Szene. Das lag daran, dass die Jungs gerne 80er Rock’n’Roll gehört haben und in Bandshirts von 80er Helden wie Ratt oder Def Leppard posiert haben.

Und rockig wird es auch auf „Baptize“. Es ist das erste Album ohne Schreihals Alex Varkatzas, der die Band verlassen hat. Drummer Brandon Saller, der früher schon den klaren Gesang übernahm, steht jetzt am Mikro. Das Gekeife übernimmt jetzt Bassist Marc McKnight. Genug zu den Personalien. „Baptize“ klingt wie eine harte Version von neuen Papa Roach. Viel Rock, etwas Metal und in gleichen Anteilen Elektronik. Mit dem düsteren Metalcore für „Twilight“-Fans hat das nichts mehr zu tun. Aber anders als bei dem absolut langweiligen Vorgänger stimmen hier einige Songs. „Save Us“ hat einen schönen Choris, „Broken Again“ ebenfalls. Obwohl nach einigen der 15 Songs merkt man schon, dass das Songwriting absolut auf eingängige Mitsingrefrains ausgelegt ist. Aber das gelingt dem Quintett erstaunlich gut.

Billy F. Gibbons – Hardware

Mit ZZ Top verkaufte er  in den 70er und besonders 80er Jahren Millionen Platten. Doch das letzte Album des Trios liegt auch schon gut neun Jahre zurück. Neuer Stoff ist noch immer nicht in Sicht. Doch seit der Studio-Pause liefert Sänger und Gitarrist Billy Gibbons mit „Hardware“ jetzt sein bereits drittes Soloalbum.

Während sein erster Alleingang noch recht Latin-lastig klang und sein zweiter ein halbes Coveralbum darstellte, macht der 66-Jährige jetzt das was er am besten kann: Bluessongs selbst schreiben. Besonders Fans der 70er-ZZ-Top sollte das freuen. Wenig Dorf-Disco-Rock, dafür Blues mit Wüstenfeeling. Knackige Ohrwürmer sind nicht direkt auszumachen, aber das Album hat einen dermaßen coolen Vibe, dass man sich das Material erarbeiten mag. 

Alle Alben sind am 4. Juni in physischer und digitaler Form erschienen. Bei Lena handelt es sich allerdings um einen Stream/Download. Wir hören uns wieder!



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