Ulrich Ferber, der Mann von Andrea Berg, betreibt in Aspach ein Hotel. Die Corona-Pandemie hat das Haus, wie viele andere auch, in die Krise gestürzt. Jetzt bietet der Besitzer bei Zimmerbuchung einen Impftermin an. Ist das gerecht?

Viele wollen ihn, aber nicht jeder bekommt ihn: einen Impftermin. Dass bei der Verteilung der Corona-Vakzine ein Ungleichgewicht herrscht, ist nicht neu. Privilegierte mit freier Arbeitseinteilung haben mehr Zeit zur Verfügung, sich um einen Impftermin zu kümmern, als diejenigen, die Schichtarbeit in einer Fabrik leisten. In der Regel ist ein Internetzugang hilfreich, eine umfassende Bildung kann ebenfalls von Nutzen sein. Aber spielt auch Geld eine Rolle bei der Bevorteilung?    

Das Hotel Sonnenhof gibt darauf eine mögliche Antwort. Der Gasthof in Aspach besteht seit 1950, 1986 übernahm Ulrich Ferber zusammen mit seinem Bruder die Geschäftsführung im elterlichen Betrieb. Die beiden erweiterten das Hotel, investierten zum Beispiel in ein angebautes Restaurant. Doch dann kam Corona und zog vieles mit sich in die Tiefe. 

Das Beherbergungsverbot riss ein Loch in die Kasse, wie Ferber vor einiger Zeit in einem Interview mit dem Lokalblatt „Backnanger Kreiszeitung“ verriet. Die Buchungen seien um 40 Prozent zurückgegangen. Der Sonnenhof machte einen Umsatzausfall von fast neun Millionen Euro. Nun ist Ferber zwar nicht nur Hotelier, sondern auch Unternehmer, feierte als Spielerberater Erfolge und ist sogar der Mann von Andrea Berg. Doch auch die ist nicht Superwoman, litt schließlich auch unter dem Auftrittsverbot während der Corona-Krise. Dem Sonnenhof muss also anders aus der Krise geholfen werden. Seit dem 1. Juni darf der Betrieb, der sich selbst als Erlebnishotel bezeichnet, wieder öffnen, Gäste können sich dort auch auf Corona testen lassen. Seit dem 8. Juni lockt das Hotel außerdem mit einem ganz besonderen Angebot. 

„Mit unserer Partner-Arztpraxis, mit der wir bei den Tests hier im Hause kooperieren, bieten wir […] unseren Hotelgästen auch Impftermine hier im Sonnenhof an. Mit einem vorab vereinbarten Termin haben Sie die Möglichkeit, zuverlässig durch unseren Hausarzt eine Impfung mit dem gewünschten Impfstoff unkompliziert zu erhalten“, heißt es auf der Website des Hotels. 

Gäste haben die Wahl zwischen drei Impfstoffen 

Auf Nachfrage erfuhr t-online, dass Gäste sich dort ab einer Buchung von mindestens zwei Nächten tatsächlich einen Impftermin sichern können. Dabei kann sogar zwischen den Impfstoffen Biontech, Astrazeneca und Johnson & Johnson frei gewählt werden. Angesprochen auf den Impfstoffmangel hieß es, man müsse sich keine Sorgen machen, die Partnerarztpraxis habe genügend Impfstoffe zur Verfügung. Ein Impfangebot sei immer gewährleistet.

Angaben darüber, welche Praxis die Impfung durchführt und wie viele Menschen dieses Angebot bereits in Anspruch genommen hätten, wollte man aus datenschutzrechtlichen Gründen lieber nicht machen. Eine Nacht im Sonnenhof bekommen Gäste pro Person unter der Woche ab 79 Euro und am Wochenende ab 95 Euro. 

Wer also rund 200 Euro, plus Anfahrtskosten und Verpflegungspauschale übrig hat, der kann sich in Aspach im Sonnenhof beim Mann von Andrea Berg einen Impftermin erkaufen. Prof. Dr. med. Georg Marckmann von der Universität München ist Ethikmediziner und über dieses Geschäftsmodell wenig überrascht. „Nachdem die Priorisierung für die SARS-CoV-2-Impfungen aufgehoben wurde, musste man damit rechnen, dass kreative Modelle entwickelt werden, um möglichst zeitnah an eine Impfung heranzukommen“, sagt er auf Nachfrage von t-online. 

Aus ethischer Sicht sei das allerdings ganz und gar nicht zu begrüßen, da die „Verabreichung einer vorbeugenden medizinischen Maßnahme von sachfremden Überlegungen, wie hier der Buchung eines Hotelaufenthaltes, beeinflusst“ werde.

Ungleichheiten im Zugang zur Impfung wird verstärkt 

Außerdem verstärke ein solches Angebot die bereits bestehenden „sozioökonomischen Ungleichheiten im Zugang zur Impfung“, meint Marckmann. „Benachteiligte Bevölkerungsgruppen haben ein höheres Risiko für eine Infektion und einen schwerwiegenden Verlauf, sind aber von der Impfkampagne bislang schlechter zu erreichen. Wenn sich jetzt die Wohlhabenden über den Weg einer Hotelbuchung einen schnellen Zugang zur Impfung verschaffen, verstärkt das diese ethisch nicht vertretbaren Ungleichheiten.“      

Vor diesem Hintergrund bewertet der Medizinethiker die Aufhebung der Priorisierung als kritisch. Man hätte besser warten sollen, „bis vor allem unter den benachteiligten Bevölkerungsgruppen in Deutschland eine weitgehende Durchimpfung“ erreicht worden wäre.

Es lohnt sich außerdem, wie so oft, ein Blick dorthin, wo man sich nicht so einfach einen Impftermin per Hotelbuchung beschaffen kann, wo noch nicht einmal angefangen wurde, zu impfen. Marckmann mahnt an, dass zu überlegen wäre, „ob nicht die Versorgung der ärmeren Länder mit Impfstoffen Vorrang haben sollte gegenüber einer vollständigen Durchimpfung der deutschen Bevölkerung“. In Deutschland seien die Risikogruppen geimpft, die Pandemie befinde sich im Ablaufen, doch ein Aufatmen kann es nicht geben, wenn niemand über den Tellerrand blickt. „Die Pandemie ist eine globale Herausforderung. Wir werden sie erst dann wirklich überwunden haben, wenn sie überall auf der Welt überwunden ist. Hierfür tragen die reichen Länder eine wesentliche Mitverantwortung.“



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