Riccardo Simonetti ist aus der deutschen Medienlandschaft nicht mehr wegzudenken. Als queerer Entertainer strahlt er nicht nur Vielfalt und Diversität aus, sondern setzt sich ebenso dafür ein. Im Rahmen der „GALA Diversity Week“ haben wir ihn zum Interview getroffen.

Riccardo Simonetti ist in erster Linie Entertainer. Doch der 28-Jährige kann sich noch vieles mehr auf die Fahne schreiben: etwa Model, Buchautor, Aktivist und TV-Star. Bei seinen Auftritten tanzt das Multitalent gerne aus der Reihe und setzt mit seinen unkonventionellen Looks ein Zeichen für mehr Vielfalt und Diversität in der deutschen Medienlandschaft.

Aus seiner sexuellen Orientierung macht Simonetti kein Geheimnis. Und noch mehr: Mit seiner Initiative und als LGBTQIA*-Sonderbotschafter für das EU-Parlament engagiert er sich für die queere Community. Dass er selbst schon mal Erfahrung mit Diskriminierung gemacht hat und warum Diversity auch hinter den TV-Kulissen wichtig ist, verrät er im Interview.

GALA: Herr Simonetti, bei ihren Auftritten weichen Sie meist von der Norm ab. Warum ist Ihnen das wichtig?
Riccardo Simonetti: Es geht vor allem um Sichtbarkeit. Als ich in meiner Jugend den Fernseher eingeschaltet oder durch Magazine geblättert habe, habe ich meine Form von Männlichkeit nie repräsentiert gesehen. Ich dachte eine lange Zeit, ich könnte trans sein, weil mir gesagt wurde, dass das, was ich war, nicht maskulin ist. Jahre habe ich gebraucht, um zu verstehen, dass ich auch als Mann eine feminine Seite haben kann. Viele Menschen kämpfen mit ihrer Identität. Aus diesem Grund ist es wichtig, in den Medien eine Vielfalt von verschiedenen Personen repräsentiert zu sehen. Ich spreche gerne über diese Themen und versuche andere zu sensibilisieren, was Diskriminierung mit den Menschen macht.

Haben Sie selbst auch Erfahrung mit Diskriminierung machen müssen?
Leider ja! Mit 21 Jahren habe ich mich beim Fernsehen beworben. Der Senderchef lud mich zum Vorstellungsgespräch ein und sagte, ich sei mit Abstand der beste Bewerber. Ich hätte ein gutes Gespür und Talent. Auf die Frage, wer mein Vorbild sei, antwortete ich: Thomas Gottschalk. Denn er schafft es, die ganze Familie vor dem Fernsehen zu versammeln. Darauf antwortete der Sendechef damals, dass ich das leider nicht werden könne, weil ich schwul bin. Letztendlich haben sie einen schlechteren Kandidaten genommen, der keine Randgruppe darstellte. Mein Traum ist in dem Moment geplatzt. 

Aber Sie haben es geschafft! Finden Sie, dass Minderheiten heutzutage mehr im Fernsehen repräsentiert sind denn je? 
Ich bin zwar dankbar, dass Diversity heute ein Thema in der Gesellschaft ist und sich Menschen aktiv damit auseinandersetzen, aber das ist nicht genug. Natürlich gibt es in Filmen und Serien mehr diverse Charaktere, die eine andere Hautfarbe, Geschlechtsidentität oder sexuelle Orientierung haben. Doch diese haben meist Nebenrollen oder bekommen weniger interessante Storylines.

Was muss sich Ihrer Meinung nach ändern? 
Ich glaube, dass Diversity eben auch hinter der Kamera stattfinden muss. Es bringt nichts, wenn eine Serie nur von heteronormativen Menschen gespielt und produziert wird. Man braucht auch queere Menschen oder People of Color hinter den Kulissen, die ein Auge auf die Geschichte haben. Denn oft wird diese durch eine weiße, heteronormative Brille erzählt. Um die Realität abzubilden, müssen Menschen inkludiert werden, die sich in irgendeiner Form von der Norm unterscheiden.

Verwendete Quelle: eigenes Interview



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