Immer mehr deutsche Promis ziehen in die Emirate nach Dubai. Jetzt haben die Bundesländer Steuerermittlungen aufgenommen. Gibt es da einen Zusammenhang?

„Das ist viel zu lieb, ich fühle mich schon wie zuhause“, erzählte Sami Slimani am 28. Juli 2019 seinen 1,4 Millionen Followern in einem Video auf Instagram. Der deutsche Influencer hielt sich dabei verstohlen die Hand vor den Mund, doch sein breites Grinsen war nicht zu übersehen. Damals sprach Slimani über einen „Welcome to Dubai“-Kuchen, den er von dem Emirat zur Einreise überreicht bekam. Mit Leckerbissen wie diesen wird deutschen Promis die arabische Monarchie am Persischen Golf schmackhaft gemacht.

Zwei Jahre später weilt der gebürtige Schwabe wieder in Deutschland. Das österreichische Medium „heute“ vermutete am Mittwoch einen Skandal: „Influencer flüchten wegen Steuer aus Dubai“, schrieb das Blatt und setzte das Gesicht von Sami Slimani ins Titelbild der Geschichte. Der Influencer selbst erklärte auf Anfrage von t-online: „Ich lebe nach wie vor in Dubai und befinde mich gerade ausschließlich vorübergehend zu Urlaubszwecken in Deutschland.“ Er könne versichern, dass jegliche Spekulationen zu einer Steuerflucht „vollkommen aus der Luft gegriffen“ seien.

Scholz: „Steuerhinterziehung ist kein Kavaliersdelikt“

Doch könnte es künftig tatsächlich etwas heikler werden für Deutsche in dem Ölstaat? Der deutsche Staat hat zuletzt seinen Blick auf diesen Teil der Vereinigten Arabischen Emirate geschärft. Den Anstoß dafür gab Bundesfinanzminister Olaf Scholz. Für zwei Millionen Euro ließ er eine CD mit geheimen Daten von einem anonymen Informanten ankaufen, um Steuerbetrug aufzudecken. Der SPD-Politiker erklärte dazu am 11. Juni 2021: „Steuerhinterziehung ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat.“ Mit den „steuerlich relevanten Daten aus dem Emirat Dubai“ wolle man vor allem Steuerpflichtigen auf die Schliche kommen, die über Grundstücke und Immobilien in dem Golfemirat verfügen.

„Das Durchleuchten von grenzüberschreitenden Sachverhalten stellt den Steuervollzug sicher und vermeidet somit hohe Steuerausfälle. Dies hat sowohl für das Bundesfinanzministerium als auch das Bundeszentralamt für Steuern hohe Priorität“, erklärte das Ministerium von Scholz dazu auf Nachfrage von t-online. Gäbe es „unbekannte Vermögenswerte“ oder ließen die Daten „Rückschlüsse auf nicht erklärte Einnahmen“ zu, würden die entsprechenden Strafverfolgungsbehörden aktiv.

Die Krux mit dem Urlaub in der deutschen Heimat

Auch deutsche Influencer besitzen Immobilien in Dubai. Das Geld für diese oft luxuriösen Apartments und Einfamilienhäuser verdienen sie hauptsächlich über Werbung und ihre Social-Media-Reichweiten. Doch Promis wie Sami Slimani, Georgina Fleur, Fiona Erdmann, Sarah Harrison, Simon Desue und Fata Hasanovic sind ausgewandert und in Deutschland nicht mehr gemeldet. Der Bundesrepublik gegenüber steuerpflichtig sind sie damit nicht mehr. „Wenn jemand nach Dubai zieht und seinen Wohnsitz dort begründet, muss er sich tatsächlich auch physisch länger als ein halbes Jahr, das heißt 183 Tage im Kalenderjahr, dort aufhalten“, erklärt Prof. Dr. Hans-Jörg Fischer, Fachanwalt für Steuerrecht, dazu auf Anfrage von t-online.

Mehrere Monate Heimaturlaub können die deutschen Promis also machen, nur eben nicht zu lange – dann droht das Schicksal, das einst auch Boris Becker ereilte. Der ehemalige Tennisstar hatte seinen Wohnsitz Ende der Achtziger in Monaco begründet, hielt sich aber tatsächlich länger als 183 Tage im Jahr in München auf. Das Resultat: zwei Jahre Freiheitsstrafe auf Bewährung. 

Ob Sami Slimani und Co. das wissen und deshalb bewusst vom „Urlaubszweck“ ihres Deutschlandaufenthalts sprechen? Auch das Management von Sarah und Dominic Harrison nimmt zur Frage nach dem Grund des derzeitigen Aufenthalts in Deutschland Stellung und sagt zu t-online: Man sei „lediglich vorübergehend“ und „aufgrund unterschiedlicher beruflicher Projekte“ in der einstigen Heimat. Kindergärten und Schulen blieben in den Sommermonaten Juli und August in Dubai zudem geschlossen, weswegen die Harrisons ohnehin eine Kinderbetreuung für die Sprösslinge Mia Rose und Kyla brauchten.

„Selbst Einheimische, aber auch die meisten Expats (andere Bezeichnung für Ausgewanderte; Anm. d. Red.), reisen in diesen Monaten in ihre Heimatländer, um den sehr hohen sommerlichen Temperaturen zu entfliehen und ihre Familien zu besuchen“, heißt es weiter. „Von den im Raum stehenden Vorwürfen“ distanziere man sich ausdrücklich, teilt das Management mit Blick auf mögliche Probleme mit den deutschen Steuerbehörden mit.

Dubai-Influencer verdienen Geld mit deutschen Reichweiten

Allein auf Instagram folgen Sarah Harrison 2,8 Millionen Abonnenten, bei ihrer Influencer-Kollegin Paola Maria, die auch nach Dubai auswandern wollte, aber die Pläne inzwischen öffentlich als „Fehler“ bezeichnete, sind es sogar 4,4 Millionen Insta-Fans. Die Internetstars nutzen ihre große Anhängerschaft vorrangig, um lukrative Werbedeals einzutüten – und mit Produkten, die sie bewerben, Geld zu verdienen. 

In ihren Postings und Storys nutzen sie ihre Muttersprache und auch ihre Fans sind überwiegend Deutsche. Doch die Promis leben knapp 5.000 Kilometer weiter südöstlich und zahlen in dem Wüstenstaat weder Einkommens- noch Unternehmenssteuer. Der ZDF-Satiriker Jan Böhmermann widmete diesem Geschäftsgebaren bereits im Februar dieses Jahres einen investigativen Beitrag in seiner Sendung „ZDF Magazin Royale“. „Mit Ausbeutung ist Dubai entstanden und mit Ausbeutung läuft der Laden noch heute“, berichtete der Moderator damals.

In der Tat ist Dubai in Rekordzeit mithilfe von Gastarbeitern aufgebaut worden, die dafür einen Hungerlohn erhalten haben. Auch heute noch wird das Emirat regelmäßig wegen des Missbrauchs von Wanderarbeitern kritisiert. Menschenrechtsorganisationen sprechen von moderner Sklaverei. Zuletzt unter anderem weil via Instagram ein Schwarzmarkt für Dienstmädchen florierte. Frauen aus Äthiopien, Kenia und dem Nahen Osten verrichteten illegal niedere Arbeit in Dubai. Instagram ließ daraufhin 200 Konten von fragwürdigen Vermittlungsagenturen schließen. Dubai selbst hatte zuvor keine Anstalten gemacht, gegen diese Form der modernen Sklaverei vorzugehen.

Bei Slimani, Harrison und Co. ist von diesen Zuständen in ihren Insta-Storys und Postings nie die Rede. Dubai erscheint auf den Social-Media-Konten der deutschen Stars wie ein Paradies. Die desaströse Menschenrechtslage, Berichte über Folter und Misshandlungen und die offenbar eingesperrte Prinzessin Latifa, Tochter des Regierungschefs Scheich Mohammed bin Raschid, die um ihr Leben fürchtet? Fehlanzeige. Stattdessen malerische Strandkulissen, Erzählungen über das unkomplizierte Leben vor Ort und Schwärmereien über angeblich so preiswerte Wohnungen.

Dieses Missverhältnis ist kein Wunder, sondern Ergebnis der restriktiven Medienpolitik in Dubai. Der autoritär regierte Staat zwingt die bei ihm tätigen Influencer, eine Lizenz des National Media Council zu erwerben, erklärt Prof. Dr. Hans-Jörg Fischer. Diese koste laut Angaben der Regierung umgerechnet etwa 3.500 Euro pro Jahr. Dafür gibt es im Gegenzug neben Leckereien wie einem „Welcome to Dubai“-Kuchen noch viel wertvollere Goodies: Werbeverträge. Die Agentur „Global Communication Experts“ ist so ein Beispiel. Sie macht in Zusammenarbeit mit Influencern wie Fiona Erdmann, Fata Hasanovic oder Chiara Coco Werbung für das „Atlantis, The Palm“-Hotel in Dubai. 

Verschiedenen Medienberichten zufolge gehört das Hotel zu fast 50 Prozent der Stadt Dubai selbst. Betrieben wird das Resort von der Kerzner International Limited, einem Unternehmen, das seinen Sitz in der Steueroase Bahamas angibt. Es ist ein Geben und Nehmen am Persischen Golf, bei dem teilstaatliche Unternehmen von den Reichweiten deutscher Influencer profitieren – und sich am Ende über Berichte mit Überschriften wie „Atlantis, The Palm: Einer der beliebtesten Instagram-Spots in Dubai und weltweit“ freuen dürfen.

Dubai ist allerdings weniger wegen dieser Geschäftspraktiken und der prominenten deutschen Influencer in den Fokus der deutschen Finanzbehörden geraten, sondern vielmehr wegen Deutscher, die nicht in Dubai leben, aber dort investieren und Immobilien erwerben. „Dies erfolgt zum Teil direkt, zum Teil über örtliche Kapitalgesellschaften“, erklärt Steuerrechtsexperte Fischer und fügt an: „Es stellt sich die Frage nach der Herkunft des Geldes, also die Frage, ob es sich um versteuertes Geld handelt oder nicht.“ 

Prof. Dr. Hans-Jörg Fischer: Der Professor für Wirtschafts- und Steuerrecht spricht mit t-online über die Steueroase Dubai. (Quelle: Privat)

Außerdem gibt es eine Freihandelszone, die Dschabal Ali Free Trade Zone, in der überhaupt keine Steuern erhoben werden. „Die Lufthansa hatte in der Vergangenheit ihren Piloten die Ansässigkeit dort empfohlen, da bei Piloten die physische Anwesenheit auch für 183 Tage in keinem Land möglich ist. Piloten sind ja immer woanders. Das Modell wurde aber auf Druck der Finanzbehörden vor einiger Zeit wieder aufgegeben“, erzählt Fischer, der auch als Professor für Wirtschafts- und Steuerrecht tätig ist, t-online. 

Steuerermittlungen der Bundesländer laufen 

Slimani, Harrison und Co. werden wohl weiter Werbung machen in einem Land, das von Menschenrechtsorganisationen heftig kritisiert wird – und ab und zu für einen Heimaturlaub nach Deutschland reisen. Konsequenzen drohen den Stars nicht. Es sei denn, sie finden plötzlich doch wieder Gefallen an Spree, Elbe oder Donau und bleiben länger, als es ihnen erlaubt ist. t-online hat bei den zuständigen Landesbehörden nachgefragt und erfahren: Die von Olaf Scholz angestoßenen Datenauswertungen haben zu umfangreichen Ermittlungen geführt, Ergebnisse gibt es bislang aber nicht.

So antworteten sowohl die Berliner als auch die Hamburger Steuerverwaltung, dass ihr „zum jetzigen Zeitpunkt keine belastbaren Zahlen“ vorlägen. Das zuständige Finanzamt aus Hessen teilt t-online mit: „Den hessischen Steuerfahndungsstellen liegen die Datensätze erst seit Anfang Juli zur weiteren Auswertung vor. Die Ermittlungen werden von den jeweils zuständigen Steuerfahndungsstellen geführt und dauern weiterhin an.“ Die zuständige Behörde in Bayern erklärt: „Die Daten mit Bezug zu Bayern wurden zentral aufbereitet und in 277 Einzelfällen (teilweise sind davon mehrere Personen an einem Grundstück beteiligt) an die zuständigen Steuerfahndungsstellen zur steuerlichen Vorprüfung verteilt.“ Strafverfahren seien bislang noch keine eingeleitet worden. Nordrhein-Westfalen wollte sich „aus Gründen des Steuergeheimnisses“ nicht zu unseren Fragen äußern.



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